Schimpfen: schadet es meinem Kind?

Heute beim Abendessen hab ich meinen Mann gefragt ob ich eine Rabenmutter bin, weil ich mein kleines Kind, welches heute den Mittagsschlaf gekonnt ausgelassen hat und demensprechende Laune hatte, durchaus zwischendurch geschimpft hab… Im Nachhinein in einer Situation, bei der das Thema Schimpfen eigentlich kein Thema sein sollte… Hiermit spreche ich also ein Tabu-Thema an. Keine Mama gibt gerne zu, das Kind geschimpft zu haben, obwohl es nichts schlimmes getan hat. Wir wollen alle zu den Mamas gehören, die Alles und jede Situation unter Kontrolle hat… Diese Mama sind wir auch… meistens!

Wir Mamas kennen dieses Situationen alle:

  • Das Kind trödelt auf dem Weg zum Einkaufen, zum Kindergarten -womöglich schon beim Anziehen
  • Es quengelt, weil es unbedingt etwas zum Knabbern haben möchte
  • Es quengelt aus für uns unerklärlichen Gründen, somit grundlos
  • Es ist zu laut, es stört, es ist zu leise…
  • Es hat ein Glas Wasser vom Tisch gekippt…
  • Es hat langeweile und will unsere Aufmerksamkeit… immer… und ständig…
  • und und und…

Wenn Mama (oder der Papa) dann vielleicht auch die Nacht schlecht geschlafen hat, WEIL DAS KIND NICHT GESCHLAFEN hat… Oder unter Zeitdruck sind, mal schnell in der Küche etwas fertig machen und jetz nicht mit dem Kind spielen wollen/können… Dann platzt einem schneller der Kragen, als einem lieb ist.

Als Alida heute in der Küche eine halbe Stunde nach dem Mittagessen vor „Ihrem“ Regal stand und ihre „Knusper-Brote“ knabbern wollte, ich aber keine mehr Zuhause hatte und sie immer länger und eindringlicher vor sich hin quengelte… bin ich schon mal laut geworden um ihr deutlich zu machen, dass ich kein verdammtes Knusper-Brot mehr habe und überhaupt der Bauch vom Mittagessen ja noch voll sein muss…

Während sie da stand und mich mit Tränen in den Augen anguckte erkannte ich das Dilemma:

Mein Kind hatte nur ihr Knusper-Brot wollen… ein ganz normales Knusper-Brot und sie kann mit ihren 17 Monaten noch nicht verstehen, wenn diese aus sind und Mama noch keine neuen gekauft hat… Sie versteht auch nicht, dass sie eigentlich nur quengelig war, weil ihr Mittagsschlaf seit 2 Stunden überfällig war und sie deshalb hundemüde war. Kind also sich an meinen Rockzipfel gehangen und ich sie getröstet… in dem Arm genommen, mich entschuldigt und mit spielen abgelenkt… tadaaa: das Thema Knusper-Brot hat sich erledigt und sie war wieder zufrieden… (An dieser Stelle möchte ich anmerken dass es mir sehr wichtig ist der Alida zu vermitteln, dass man sich entschuldigt wenn man sich daneben benommen hat)

Alida ging um 17 Uhr heute ins Bett, wo sie auch nach 5 Minuten eingeschlafen ist. Seit dem Abendessen hab ich mir also meine Gedanken drüber gemacht, was das (grundlose) Schimpfen mit unseren Kinderseelen anstellen kann.

Kinder haben einen ganz anderen Blickwinkel, sie können viele Schimpereien einfach nicht nachvollziehen. Wenn sie weinen werden sie meistens noch mehr geschimpft, WEIL sie weinen… ein Teufelskreis.

Kein Kind quengelt grundlos: es hat immer einen Grund, wieso es sich nicht gut fühlt oder der gleichen… Sie wollen hald draussen die Welt erkunden… Es ist ein Abendteuer auf dem Weg -wohin auch immer- Blätter zu sammeln, auf der Wiese laufen, umdrehen um noch mehr Blätter zu sammeln… Es versteht nicht wieso ständig am Arm gezerrt wird, weil Mama es eilig hat… Sie haben nicht so lange Beine wie wir Erwachsenen, wieso in aller Welt erwarten wir dass sie also so schnell wie wir selber gehen? Weil WIR es eilig haben? Dann bitte das Kind früher anziehen, 10 Minuten früher losgehen – mit einplanen, dass das Kind eben nicht so schnell geht oder einfach paar Minuten verspätung in Kauf nehmen… Das vom Tisch gekippte Glas lässt sich vermeiden, wenn wir Erwachsenen es einfach so hinstellen, damit das Kind es eben nicht runterschmeissen kann weil es das normalste auf der Welt ist, dass Kinder tollpatschig sind! Selbst wenn das Glas Wasser fällt: Ist das wirklich so schlimm oder ist das einfach nur unser Frust, weil wir jetz schnell 2 Minuten Wasser wegwischen müssen? Auch das verspätete ins Bett gehen… Gehen wir täglich minutengenau zur bestimmten Zeit ins Bett und schlafen 5 Minuten später auf Kommando ein? Wohl kaum… Von unseren Kindern wird es aber erwartet… Es gibt so viele Beispiele, das würde den Rahmen sprengen. Hier geht es nicht um das zurechtweisen (ich nenne es bewusst zurechtweisen, weil auch hier direktes Schimpfen nichts bringt) wenn das Kind haut oder sonstige Verhaltensweisen an den Tag legt „die man einfach nicht macht“ Kinder brauchen Grenzen, ganz klar… aber das geht anders – nicht nur mit Schimpfen! Und neeeein, Die Kinder tanzen einem nicht auf der Nase rum, wenn sie nicht ständig geschimpft werden…

Wieso ich das hier schreibe hat eigentlich nur folgendenen Grund: Die eine oder andere Situation lässt sich leicht entschäfen wenn wir uns wenige Sekunden nur bewusst werden, warum unser Kind reagiert, wie es gerade reagiert… ein bisschen Verständnis und schon geht man ganz anders um und das Kind wird auch sofort entspannter…

Hand aufs Herz: welche Mama hat sich nicht ähnliche Gedanken schon mal gemacht?

 

 

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