Kuhmilchproteinintoleranz beim Baby

Hallo ihr Lieben,

aus gegebenen Anlass möcht ich mal was über die Kuhmilchunverträglichkeit bei Babys schreiben, auch meine Tochter ist betroffen. Es betrifft weitaus mehr Babys, als man zunächst denkt.

Alles begann ca. zwei Wochen nach Alidas Geburt. Meine Tochter war sehr pflegeleicht, jedoch hatte sie auf einmal sichtbares Blut im Stuhl. Die Hebamme und meine Familie beruhigten mich zunächst. War nicht so einfach, ich war sehr ängstlich zu dieser Zeit und ich hatte wirklich Angst, dass ich meine Colitis vererbt hätte. Als sich kurze Zeit später erneut Blut zeigte, fuhr ich Sonntags in die Klinik. „Alida ist zu klein, um abzuwarten“ hieß es. Wir wurden stationör aufgenommen und isoliert (zur Sicherheit für sie, aber auch für die anderen Patienten) -Könnte ja ein Virus sein. Meine Colitis könnte ich nicht vererben, scho gar net würde sich das in diesem Alter bemerkbar machen. Nachdem man uns 5 Tage im Ungewissen ließ, sprachen die Ärzte erstmalig den Verdacht der Kuhmilcheiweisunverträglichkeit aus. Einen Allergietest in diesem Alter sei nicht aussagekräftig, man sichert die Diagnose nur per „Auslass-Therapie“. Wir sollten ab sofort eine Spezialnahrung füttern: Althera heisst das gute Stück, gibt es mit Rezept aus der Apotheke. Das Blut verschwand und plötzlich hat Alida auch keine Durchfälle und Schmerzen mehr (man sagte mir vorher, die Durchfälle seien normal bei einem Neugeborenen).

Nach drei Monaten erfolge die erste stationäre orale Provokation: Vor Ort hatte sie keine Reaktion, jedoch verzögert Tage später:

  • Bauchschmerzen
  • sie reduzierte die Trinkmenge drastisch
  • Ekzeme, ihre Haut schälte sich stärker als normal und
  • allgemeines Unwohlsein

Der nächste „Schritt“ wären wieder Blutige Durchfällge geworden, weshalb wir ab sofort wieder Althera geben sollen und auch bei der zukünftigen Ernährung auf Milcheiweis achten sollen. Ihre Symptome bessersten sich schnell wieder und ich hatte mein zufriedenes Baby, welches ich vor der Provokation hatte.

Kindergastroenterlogen und Ernährungsberatung schalteten sich ein und waren uns wirklich eine große Hilfe. Von nun an hieß es: die Zutatenliste akribisch studieren. Ihr ahnt ja gar nicht, in welchen Lebensmitteln überall Milcheiweis drin is. Die Einführung der Beikost klappte problemlos: ich hatte sowieso vor, selber zu kochen und keine Gläschen zu füttern. Gläschen sind es für unterwegs oder mal auf die Schnelle dennoch geworden. Hier zeigte sich schon, das die Auswahl sehr klein ist, etwas ohne Milchbestandteile zu bekommen. Als Alida anfing selber knabbern zu wollen ahnte ich erstmals, was da auf uns zukommt. Bei jeder Semmel einer Bäckerei musste ich mir die Zutatenliste zeigen lassen, Babykekse zum „knabbern lernen“ waren nicht möglich. In vielen Metzgereien fragte man mich freudestrahlend, ob sie ihr eine Wurst geben dürfen, ich musste immer verneinen. Das erste Eis war für sie undenkbar. Wie soll das werden, wenn sie größer wird? Im Kindergarten? In der Schule? Kein Kuchen, keine Schokolade, keine Pommes (ja, auch in manchen Pommes ist Milcheiweis enthalten), kein Essen welches paniert ist (es seidenn, ich hab die Pannade samt Semmelbrösel selbst hergestellt, ein Hoch auf den Thermomix) ich darf gar net dran denken!

Im Moment scheinen wir Glück zu haben: je früher die Allergie auftritt, umso höher die Chance, dass es sich verwächst. Gestern hatten wir ihre zweite orale Provokation in der Klinik, sie zeigte keine Reaktionen vor Ort, selbst der Prick-Test viel negativ auf (leider immer noch nicht aussagekräfig genug mit einem Jahr) Aktuell darf und soll Alida also Kuhmilchprodukte zu sich nehmen. Die Althera tauschen wir langsam gegen Aptamil. (Sie braucht noch ihre Nachtfläschchen).

Ich muss sagen, dass ich froh drüber bin, dass man bei Alida aufgrund des Blutes im Stuhl schnell auf die Allergie gekommen ist. Hätte sie nur die „normalen Symptome“ gezeigt, hätte man es als die üblichen Säuglinskoliken abgetan.

  • Erbrechen,
  • häufiges Aufstoßen
  • Nahrungsverweigerung (viele Mamas machen sich dann zusätzlich den Stress, und bieten dem Baby immer mehr an, welches natürlich immer wieder ablehnt oder während dem Trinken immer wieder schreit)
  • Koliken
  • Durchfall (mit oder ohne Blut) oder
  • Verstopfung
  • Bauchschmerzen
  • Schluckstörungen
  • ständig laufende Nase
  • trockener Husten
  • Hautausschläge aller Art (schuppig, rote Pusteln, gerötet mit Juckreiz)
  • übermäßige Müdigkeit
  • Teilnahmslosigkeit
  • Unwohlsein, Unruhe
  • Schlafstörungen
  • auftreten eines Allergieschocks

Ihr seht, die meisten Symptome sind sehr unsezifisch, grad bei einem Säugling. Zu beachten ist ausserdem, dass Symptome nicht direkt nach einer Mahlzeit auftreten (können), sondern oftmals verzögert. Von wenigen Stunden bis zwei Wochen ist hier alles normal. Erkennt man die Unverträglichkeit, bleibt dem Baby einiges erspart.

Solltet ihr mehrere Symptome bei eurem Baby feststellen oder ihr euch einfach net sicher sein, geht sicherheitshalber zum Kinderarzt und sprecht das an. Bitte keine Alleingänge was die Nahrung angeht, auch das Wiedereinführen von Milcheiweis kann aufgrund eines Allergieschocks gefährlich werden. (Deshalb wird die Provokation stationär in der Klinik gemacht)

Ich war mit meiner Kleinen innerhalb ihres ersten Jahres regelmäßig in der Klinik zur Untersuchung und jedesmal hab ich Familien kennengelernt, bei denen diese Unverträglichkeit im Raum steht. Sie ist nicht so selten, nur weil man vielleicht noch nie drüber gehört hat.

Was meine Tochter angeht, so hoffen wir jetz auf die nächsten Wochen. Vielleicht haben wir wirklich Glück, und die Allergie hat sich bereits verwachsen.

Kennt ihr Jemand, oder leidet selber an einer Unverträglichkeit?

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